Hoffnung im Frühling und anhaltender Dienst

22. April 2026

Update aus der Ukraine: 

Ein Bericht der Ukrainischen Bibelgesellschaft – 13. März 2026

Der Winter mit seinen strengen Frösten und langen, dunklen Nächten liegt hinter uns. Mit dem Einzug des Frühlings spüren wir nicht nur den Wechsel der Jahreszeiten, sondern auch eine innere Erneuerung von Kraft, Hoffnung und dem Willen zu leben. Der Schnee, der die Strassen lange Zeit bedeckte, ist fast vollständig verschwunden – eine natürliche Entwicklung, die uns daran erinnert, dass auch die gegenwärtigen dunklen Zeiten des Krieges eines Tages enden werden. Wir vertrauen darauf, dass der Herr die Ukraine weiterhin beschützen und bewahren wird.

Anhaltende Herausforderungen und Angriffe

Leider dauert der Krieg unvermindert an. Der Feind versucht weiterhin, unser Land zu zerstören und den Geist unseres Volkes zu brechen. Nach offiziellen Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums führten russische Streitkräfte allein in den ersten beiden Märzwochen rund 40’000 Angriffe auf ukrainische Stellungen und Siedlungen durch. Mehr als 90 % dieser Angriffe bestanden aus Artilleriebeschuss auf Front- und Grenzgemeinden, in denen weiterhin Zivilisten leben und arbeiten. Diese Angriffe umfassten etwa 70 Raketen verschiedener Typen, bis zu 3.500 Drohnen, rund bis zu 3’500 Drohnen, rund 2’000 gelenkte und ungelenkte Fliegerbomben sowie etwa 35’000 Artilleriegeschosse. Die meisten dieser Schläge richteten sich gegen Wohngebiete und kritische Infrastruktur.

Einer der tragischsten Angriffe ereignete sich am 7. März, als eine ballistische Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus in Charkiw traf. Das Gebäude wurde teilweise zerstört. Zehn Menschen kamen ums Leben, darunter zwei Kinder. Vier weitere Personen gelten noch immer als vermisst, und mehr als 15 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Darüber hinaus wurden 19 umliegende Wohngebäude beschädigt. Glücklicherweise blieben das Büro der Bibelgesellschaft in Charkiw und alle Mitarbeiter unversehrt, da sie sich weit entfernt vom Ort der Explosion befanden.

Auch die Infrastruktur in Slowjansk und Kramatorsk wurde durch schwere Fliegerbomben (500–1000 kg) stark getroffen. Diese Städte sind wichtige Zentren in der Region Donezk und dienen derzeit als logistische Knotenpunkte, die sowohl Militärangehörige als auch Zivilisten unterstützen. Die Kirchen in diesen Städten leisten fast rund um die Uhr aktive Hilfe. Überkonfessionelle Freiwilligenteams machen dort oft Halt, bevor sie weiter an die Front und in die sogenannten „Grauzonen“ reisen. Diese Städte liegen nur 15 bis 20 Kilometer von der aktiven Kampflinie entfernt. Zudem gab es gezielte Angriffe auf Rettungskräfte, medizinische Teams und städtische Dienste, die anrückten, um den Menschen zu helfen und die Folgen der feindlichen Angriffe zu bewältigen.

Der Dienst geht weiter: Geistliche und emotionale Unterstützung

Trotz dieser schwierigen Umstände und der ständigen alarmierenden Nachrichten bleiben alle unsere Büros und Mitarbeiter sowie deren Familien in relativer Sicherheit. Der Dienst der Verbreitung von Gottes Wort geht jeden Tag weiter. Wir erhalten regelmässig Anrufe von Pastoren, Freiwilligen und Gläubigen, die um biblische Literatur bitten. Persönliche Treffen finden weiterhin statt, und Materialien werden regelmässig per Post verschickt. Wir beobachten, dass sich die Menschen zunehmend an die Kirchen wenden. Sie suchen nicht nur humanitäre oder materielle Hilfe; viele Menschen bedürfen insbesondere geistlicher und emotionaler Unterstützung.

Ende Februar besuchten Mitarbeiter unseres Büros in Charkiw eine Gemeinde im Dorf Babai in der Region Charkiw. Die Anwohner nennen sie die „Kirche im Schnee“, da die Gemeinde über kein eigenes Gebäude für Gottesdienste verfügt. Die Menschen versammeln sich im Freien. Trotz der Kälte und der schwierigen Bedingungen treffen sie sich jede Woche, um gemeinsam zu beten und das Wort Gottes zu hören. Interessanterweise wurde diese Gemeinde während des Krieges gegründet. Zuvor waren mehrere Versuche, in diesem Dorf eine Kirche zu gründen, erfolglos geblieben. Aufgrund des ständigen Beschusses in der Region Charkiw haben die Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Hoffnung, Ermutigung und Gottes Wort.

Ermutigende Entwicklungen und Anerkennung

Es gibt auch ermutigende Nachrichten. In letzter Zeit haben wir ein grösseres Verständnis seitens der nationalen Führung für die Bedeutung der spirituellen Rolle der Kirchen in der Gesellschaft festgestellt. Dies spiegelt sich in mehreren aktuellen Entscheidungen und Gesetzen in diesem Bereich wider. Treffen zwischen Regierungsvertretern und dem Ukrainischen Rat der Kirchen und religiösen Organisationen sowie verschiedenen Kirchenverbänden verliefen konstruktiv und unterstützend.

Zudem möchten wir eine freudige Nachricht für die gesamte Familie der Ukrainischen Bibelgesellschaft teilen: Der stellvertretende Generalsekretär, Rev. Anatoliy Raychynets, wurde mit der hohen Auszeichnung des ukrainischen Parlaments „Für Verdienste um das ukrainische Volk“ geehrt. Dies ist eine wichtige Anerkennung für den Dienst der Verbreitung von Gottes Wort unter dem ukrainischen Volk. Wir bemühen uns, dieser Ehre würdig zu sein und die Gute Nachricht auch in diesen dunklen Zeiten weiter zu verkünden.

Wir danken jedem Einzelnen von Ihnen, denn ein wesentlicher Teil dieser Anerkennung gebührt auch Ihnen. Möge Gottes Segen und Seine grenzenlose Gnade mit jedem von Ihnen sein.


Im Namen von Yurii Petrenko, Ukrainische Bibelgesellschaft