Die christkatholische Kirchgemeinde Grenchen hat am 18. Oktober 2026 ihren Bibelsonntag gefeiert. Der Gottesdienst war mit den Materialien der Schweizerischen Bibelgesellschaft von Pfarrer Christoph Schuler vorbereitet. Aus dem besonderen Anlass, die Bibel zu feiern, hatte er als Gastprediger den scheidenden Generalsekretär der Schweizerischen Bibelgesellschaft Dr. Winfried Bader eingeladen.
Bader begann seine Predigt zum Text des Bibelsonntags 2026 Markus 1,14-15 mit einer Anekdote, wie es zur Auswahl dieses Textes gekommen war. Der Textabschnitt wurde Winfried Bader in seinem Studium besonders wichtig, sodass er ihn bis heute auswendig auf Griechisch zitieren kann. Ausserdem verbindet ihn dieser Textabschnitt eng mit seiner verstorbenen Mutter. Das sei – so betonte Winfried Bader in seiner Predigt – auch eine Art Bibel zu lesen, über Textabschnitte oder einzelne Verse mit anderen Menschen in Verbindung und Beziehung zu sein.
Bei der Auslegung versuchte Winfried Bader die programmatischen Begriffe, die Jesus in dieser kurzen Rede verwendet, mit Leben und Inhalt zu füllen: Reich Gottes, Evangelium, glauben und umkehren sind hier Chiffren, die Jesu kommende Botschaft schon vorweg zusammenfassen, brauchen aber einen Inhalt. Der Alttestamentler Winfried Bader verwies auf den Propheten Jesaja 52,7, wo mit «Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen» und der Aussage «Dein Gott ist König!» das Wort Evangelium, wörtlich: die freudige Botschaft, mit Inhalt gefüllt wird. Es geht um Frieden und Heil in einem Königreich, in dem Gott selbst König ist. Das ist Reich Gottes. Ezechiel 34,11-16 zeigt exemplarisch, was es heisst, guter Hirte (= König) zu sein. Ein König kümmert sich um die Ärmsten, Entrechteten, Verwundeten und verhilft allen zu ihrem Recht und zu guter Lebensqualität. Ezechiel 34 kennt aber auch reale irdische Könige, die diesem idealen Bild überhaupt nicht entsprechen. Das scheint damals wie heute gleich gewesen zu sein, dass Politiker in grosser Führungsverantwortung sich selber bereichern, lieber Kriege anzetteln und für den Gewinn der Oberschicht sorgen, als sich um das Wohl der armen Menschen und der Erde zu kümmern.
Winfried Bader rief die Menschen am Ende der Predigt dazu auf, ihren Sinn zu ändern, in der Welt heute auch das Gute zu entdecken – das heisst umkehren – und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass das Reich Gottes hier auf der Welt anbricht – das heisst glauben: Die «erfüllte Zeit» (Markus 1,15) ist da. Nicht die mit der Uhrenindustrie Grenchens messbare Zeit, sondern die richtig passende Zeit, der Kairos. Das Reich Gottes ist nahe!
