Gottes Wort zum Ertasten

Auf ihrer Indienreise im Februar 2026 konnten Katie Badie und Csilla Vita-Molner, die sich beim Weltbund für Menschen mit visueller Einschränkung (englisch «People with Visual Disabilities», PVD) einsetzen, Hilfszentren der Indischen Bibelgesellschaften für Menschen mit Sehbeeinträchtigung besuchen.

15 Millionen Blinde und Menschen mit eingeschränkter Sicht leben schätzungsweise in Indien. Einer davon ist Heren Hemrom, ein 65-jähriger blinder Seelsorger, der seit 2019 Braille-Bibeln von der Bibelgesellschaft Indiens erhält. Mithilfe dieser Materialien leitet er Bibelkreise, liest öffentlich aus der Bibel vor und verkündet das Evangelium in blinden Gemeinschaften.

Bei ihm zeigt sich die Wirkung des Braille-Projektes der Indischen Bibelgesellschaft (BSI). Begleitet vom Mediendirektor der BSI (Caleb Martin) konnten Katie Badie und Csilla Vita-Molner bei Zusammenkünften von 60-70 Menschen mit Sehbeeinträchtigung teilnehmen. Das BSI-Team empfing die Teilnehmenden herzlich, half ihnen zu ihren Plätzen und stellte sicher, dass alle am Programm mitmachen und alles verstehen konnten. Es folgten Bibellesungen in den lokalen Sprachen (Kannada, Telugu und Tamil) und Englisch, Gesänge, Gebete und persönliche Zeugnisse. Viele Teilnehmer berichteten davon, wie sehr die Braille-Bibel ihr Leben verändert hat und wie der Zugang zu Gottes Wort ihren Glauben gestärkt und gleichzeitig ihre Lesefähigkeiten verbessert hat, was ihnen Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnete.

Blinde Pastoren verkünden Gottes Wort

Auch blinde Pastoren und Evangelisten waren unter den Teilnehmenden. Sie leiten Bibelgruppen, teilen das Evangelium unter visuell beeinträchtigten Individuen und verteilen die Braille-Bibel denen, die es benötigen. Ihr Dienst zeigt, wie die Schrift – so sie denn verfügbar ist – sehbehinderte Gläubige dazu befähigen kann, wirksame Zeugen und Führungskräfte der Kirche zu werden. Nach jedem Treffen wurden Braille-Bibeln verteilt und gemeinsam gegessen, eine Gelegenheit, Gemeinschaft zu pflegen, sich zu ermutigen und gegenseitig zu unterstützen.

Generalsekretär der BSI, Pfarrer Dr. Kavito G. Zhimo übergibt die Braille- und Hörbibel in der Sprache der Nikobaren offiziell der Öffentlichkeit

Bis zu den fernsten Inseln

Das Engagement der BSI für eine allgemein zugängliche Bibel erstreckt sich sogar bis auf die abgelegenen Andamanen- und Nikobareninseln im Golf von Bengalen, weit östlich des indischen Festlands. Sie verteilt Hörbibeln, Braille-Bibeln, Blindenstöcke und Braille-Schreibtafeln an ein lokales Zentrum für Menschen mit Einschränkungen. Ein bedeutender Meilenstein wurde am 31. Oktober 2025 erreicht, als der Generalsekretär der BSI, Pfarrer Dr. Kavito G. Zhimo, die Braille- und Hörbibel in der Sprache der Nikobaren offiziell der Öffentlichkeit übergab. Dieser historische Anlass markierte einen grösseren Schritt vorwärts, um den Menschen auf den Inseln Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache zugänglich zu machen.

 

Katie Badie, Koordinatorin der Bibelprojekte für sehbehinderte Menschen bei der UBS

Katie Badie, Koordinatorin der Bibelprojekte für sehbehinderte Menschen bei der UBS

Mit einem Braille-Tablet kann man in Braille schreiben: Anhand der Felder mit jeweils sechs Löchern sticht man Löcher, die die Braille-Buchstaben bilden.