Mitgliederversammlung 2018

25. Mai 2018

Die Schweizerische Bibelgesellschaft (SB) informierte an ihrer Mitgliederversammlung vom 22. Mai 2018 in Biel über das neue Logo, die Zertifizierung durch das Gütesiegel «Ehrenkodex» und den Strategieprozess. Der Bund Evangelisch-Lutherischer Kirchen konnte als Kollektivmitglied aufgenommen werden. Das Nachmittagsprogramm war der Reformationszeit gewidmet. 

Den Alltag zur Zeit der Reformation erleben

Die Mitgliederversammlung der SB fand im reformierten Kirchgemeindehaus der Pauluskirche in Biel statt. Martin Vogler, Vize-Präsident der SB, hiess die rund 55 anwesenden Delegierten, Einzelmitglieder und Gäste herzlich willkommen. Der Morgen war dem statutarischen Teil gewidmet. Jakob Bösch, Vorstandsmitglied und ehemaliger Präsident der SB, führte als Tagespräsident durch den Morgen. Die Mitglieder nahmen den Antrag des Bundes Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein (BELK) auf Mitgliedschaft in der SB einstimmig an.

Mit Gütesiegel «Ehrenkodex» zertifiziert

Am 24. August 2017 wurde die SB mit dem Gütesiegel «Ehrenkodex» zertifiziert. Das Gütesiegel verpflichtet sie zu Transparenz in der Öffentlichkeitsarbeit, zu Lauterkeit in der Rechnungslegung und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Spenden. Am 30. Juni 2017 wurde aus dem «Ehrenkodex der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA» die Stiftung «Ehrenkodex» gegründet: Der Ehrenkodex wird somit unabhängig von der SEA weitergeführt. Damit wird die Unabhängigkeit der Zertifizierung gestärkt. Dieser Wechsel in eine eigenständige Stiftung hat zur Folge, dass die Zertifizierungsbestimmungen komplett überarbeitet wurden. Es bleibt eine Übergangsfrist von drei Jahren, die Regelwerke der SB an die neuen Bestimmungen anzupassen.

Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER 21

Die Schweizerische Bibelgesellschaft erstellt die Buchhaltung und den Abschluss nach den Vorgaben von Swiss GAAP FER 21. Diese Rechnungslegungsvorgabe wird für gemeinnützige Organisationen empfohlen und ist Pflicht für Organisationen, die mit dem Gütesiegel «Ehrenkodex» zertifiziert sind.

Jahresbericht und Jahresrechnung

Es galt an der Mitgliederversammlung abzustimmen über den Jahresbericht und über die Jahresrechnung, welche mit einem negativen Ergebnis in der Höhe von 120’090 Franken abschloss. Die Mitglieder haben den Jahresbericht einstimmig und die Jahresrechnung ohne Gegenstimme genehmigt.

Jahresbericht 2017 als PDF herunterladen

Weiteres in Kürze:

  • Die Zuwendungen (Spenden, Legate und Beiträge) sind um rund CHF 117‘000 gestiegen. Darunter die letzte Tranche eines Legates, welches zum Teil bereits im Vorjahr eingegangen ist.
  • Die Erlöse aus Lieferungen und Leistungen haben um CHF 8‘000 zugenommen. Der Handelswarenertrag hat gegenüber dem Vorjahr um 5% zugenommen, die Budgetvorgabe wurde jedoch nicht erreicht.
  • “Aufwand für die Leistungserbringung nach Swiss GAAP FER 21”: Der administrative Aufwand beträgt 10.78 % der Gesamtkosten. Direkte Projektaufwände betragen 77.51%. Für Fundraising und Werbung fielen 11.71% der Gesamtkosten an.
  • Wenn der Betriebsertrag abzüglich der betrieblichen Aufwände gerechnet wird, ergibt sich ein Betriebsgewinn von CHF 144‘732.95. Die Fonds-Entnahmen und Zuweisungen beeinflussen jedoch massgeblich das Resultat des Abschlusses. Weil mehr Gelder in die Fonds geflossen sind als entnommen wurden, wirkt sich dies negativ auf das Resultat aus. CHF 264’823.34 werden so dem Gewinn von CHF 144’732.95 abgezogen, was einem Schlussresultat von minus CHF 120‘090.39 entspricht, also einen Verlust zur Folge hat.

Strategieprozess abgeschlossen

Eva Thomi, Geschäftsführerin der SB, informierte über die Strategie 2017 bis 2022, die mit einer externen Begleitung erarbeitet wurde. Dazu gehört auch ein neues Leitbild und Logo. Die SB hat eine Dachstrategie und als strategische Geschäftsfelder «Internationale Kooperationen», «Produktionen», «Verkauf» und «Inland» definiert. Für diese einzelnen Bereiche hat sie entsprechende Massnahmen und Ziele abgeleitet. Im Geschäftsfeld «Internationale Kooperationen» zum Beispiel sind unter anderem die folgenden Ziele definiert worden: Die Zusammenarbeit mit den Sprachregionen rund um die Schweiz verstärken und Projekte schwerpunktmässig in Armenien, Libanon, Palästina, Sibirien, Südsudan, Peru, Tschad, Kamerun und Namibia fördern. Die wegweisenden Dokumente zur Strategie hat der Vorstand an seiner letzten Sitzung definitiv verabschiedet. Was nun noch ansteht, ist die Ressourcenplanung, mit welcher auch die Machbarkeitsprüfung einhergeht.

«Bibel im Faktencheck» – Text und Kontext in zwei Spalten

Irene Gysel, Präsidentin der Stiftung der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich, befürchtet, dass das Wissen über die Bibel verloren gehe. Die mit der Bibel zusammenhängenden archäologischen, geschichtlichen, soziologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse gelangen nicht mehr an die Öffentlichkeit. Irene Gysel stellte das Projekt «Bibel im Faktencheck» der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich vor: Das Ziel ist, eines der Evangelien zweispaltig zu publizieren: Links der Bibeltext, rechts die Fakten dazu. Die Stiftung will somit eine Bibel für Laien herausgeben, die wissenschaftliche Erkenntnisse weitergibt.

«Reformationszeit – ein Blick in den damaligen Alltag»

Das Nachmittagsprogramm ab 14 Uhr stand unter dem Motto «Reformationszeit – ein Blick in den damaligen Alltag». Zwei Darbietungen wurden gezeigt:

Michael Landgraf, Theologe, Schriftsteller und Reformationsbotschafter, gab in der Rolle eines Druckermeisters einen Einblick in den bürgerlichen Alltag zur Zeit des reformatorischen Aufbruchs. So erfuhren die Zuhörenden, dass das erste Druckerzeugnis keine Bibel war, sondern ein Ablassbrief. Er betonte, dass diese Zeit auch von Angst geprägt war. Jesus wurde auf Bildern mit mahnendem Zeigefinger dargestellt. Martin Luther und die Reformatoren hatten grossen Erfolg, weil sie predigten, dass Gott die Liebe ist. Michael Landgraf las auch aus seinem historischen Roman «Der Protestant», der die Zeit zwischen 1500 und 1529 im Südwesten Deutschlands beleuchtet.

Elisabeth Reichen-Amsler, Sozialdiakonin der evangelisch-reformierten Kirche Neuenburg, stellte auf Französisch die faszinierende Wibrandis Rosenblatt dar. Wibrandis war nacheinander die Frau der drei bedeutenden Reformatoren Johannes Oekolampad, Wolfgang Capito und Martin Bucer. Sie war genau die Ehefrau, die sich die damaligen Reformatoren wünschten: arbeitsam, bescheiden, gehorsam und bibelkundig. Als Frau eines Reformators hatte Wibrandis das Haus voll mit Gästen, Flüchtlingen und Notleidenden. Dass dieses Leben für Wibrandis nicht immer einfach war, schildert sie an der Ehe mit Wolfgang Capito: Dieser litt an Depressionen, war sehr unpraktisch veranlagt und durch Bürgschaften, die er naiv übernommen hatte, in finanzielle Bedrängnis geraten. Die Pfarrersfrau Wibrandis musste sehr sparsam sein, um die in diesem Haus üblichen Hilfesuchenden versorgen zu können. Während einer Pestepidemie starb Capito, auch Wibrandis selber starb 1564 an der Pest.

Die nächste Mitgliederversammlung findet am Dienstag, 21. Mai 2019 statt.