Mitgliederversammlung 2017

20. Mai 2017

An der Mitgliederversammlung der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) vom 16. Mai 2017 in Biel konnten drei neue Kollektivmitglieder aufgenommen werden. Das Nachmittagsprogramm konzentrierte sich auf die Orthodoxe Kirche: Drei Referenten gaben aus unterschiedlichen Perspektiven Einblicke.

Die Schweizerische Bibelgesellschaft öffnet sich für die Orthodoxe Kirche

Die diesjährige Mitgliederversammlung der SB fand im Kirchgemeindehaus Madretsch in Biel statt. Reto Mayer, Präsident der SB, hiess die rund fünfzig anwesenden Delegierten, Einzelmitglieder und Gäste herzlich willkommen. Detlef Hecking, Leiter des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks, überbrachte ein Grusswort von Seiten der katholischen Schwesterorganisation. Ebenfalls ein Grusswort überbrachte Alain Décoppet von der Mission Evangélique Braille.

Statutarischer Teil

Der Morgen war dem statutarischen Teil gewidmet. Es galt abzustimmen über den Jahresbericht und über die Jahresrechnung, welche mit einem negativen Ergebnis in der Höhe von 90‘335 Franken abschloss. Die Mitglieder haben den Jahresbericht und die Jahresrechnung einstimmig genehmigt. Die Jahresrechnung wurde in allen Teilen nach Swiss GAAP FER 21, einer Rechnungslegung speziell für gemeinnützige Nonprofit-Organisationen, erstellt. Die SB möchte mit dieser detaillierten Jahresrechnung nun den Ehrenkodex der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA beantragen.

Weiteres in Kürze:

  • Die Zuwendungen (Spenden, Legate und Mitgliederbeiträge) sind um rund 57‘000 Franken gestiegen. Der grösste Teil dieser Zunahme macht das Legat von 234‘000 Franken aus.
  • Die Erlöse aus Lieferungen und Leistungen haben um 42‘000 Franken abgenommen. Insbesondere der Handelswarenertrag hat gegenüber dem Vorjahr abgenommen.
  • “Aufwand für die Leistungserbringung nach Swiss GAAP FER 21”: Der administrative Aufwand beträgt 10.03 % der Gesamtkosten. Direkte Projektaufwände betragen 77.14% und für die Werbung fielen 12.83% der Gesamtkosten an.

Jahresbericht 2016

Reto Mayer informierte über die Strategie der SB und stellte das neue Leitbild vor. Ziel der neuen Strategie ist, dass die SB näher zu den Zielgruppen gelangt und sichtbarer wird. Dies soll mit einer Buchhandlung an zentraler Lage in Biel realisiert werden. Deshalb ist nun mit der Suche nach neuen Räumlichkeiten begonnen worden.

Drei neue Kollektivmitglieder

Die Mitglieder haben die drei Anträge auf Mitgliedschaft in der SB einstimmig angenommen. Neu gehören die Russisch-Orthodoxe Auferstehungskirche Zürich, das Bibel und Orient Museum in Freiburg und die Herrnhuter Brüdergemeine in der Schweiz zu den Kollektivmitgliedern der SB.

Veränderungen im Vorstand

Margun Welskopf wurde als Vorstandsmitglied verabschiedet. Sie hatte während zwölf Jahren engagiert im Vorstand mitgearbeitet, in den letzten Jahren als Vertreterin der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Neu in den Vorstand gewählt wurde Regula Tanner als Vertreterin der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich. Sie studierte Theologie und Judaistik in Basel, Zürich und Jerusalem. Sie ist Fachmitarbeiterin bei „Werkstatt – Theologie – Bildung“ wtb und bei der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich.

Referate rund um die Orthodoxe Kirche

Das Nachmittagsprogramm bot Referate und Diskussionen rund um die Orthodoxe Kirche. Karl Klimmeck, stellvertretender Geschäftsführer der SB, stellte das Bibelübersetzungsprojekt der SB „Byzantinischer Text Deutsch BTD“ vor. Nächstes Jahr soll das Evangeliar erscheinen. Klimmeck erklärte die Differenzen zu den Standardübersetzungen: Die wichtigste ist, dass von unterschiedlichen Ausgangstexten übersetzt wird. Der BTD geht vom Mehrheitstext, dem Byzantinischen Text, aus. Die Einheitsübersetzung und die Lutherübersetzung gehen vom Kritischen Text, Nestlé-Aland, aus. Der Text von Nestlé-Aland war nie in einer Kirche lebendig im Gegensatz zum Byzantinischen Text. Ein Beispiel ist auch das verschiedene Wortverständnis: Das griechische Wort „psychä“ beispielsweise wird im BTD mit Seele übersetzt und nicht mit Leben (Matthäus 6,25).
Textvergleich BTD und Lutherbibel 2017

Vr. Stanko Marković ist Bischofsvikar der Serbisch-Orthodoxen Diözese und Pfarrer in der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Belp, Bern. Er gab einen kurzen Überblick über die Orthodoxe Kirche allgemein und einen Einblick in das Leben einer Orthodoxen Gemeinde. Die Orthodoxen Kirchen bilden mit ca. 300 Millionen Angehörigen die drittgrösste christliche Gemeinschaft der Welt. Es sind ökumenische Kirchen, die von der Liturgie her Ähnlichkeiten mit der Römisch-Katholischen Kirche haben. Aufgrund der Ablehnung des Papstamtes, der Synodalität und Konziliarität sind sie näher bei der Reformierten Kirche. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche in der Schweiz zählt ca. 100‘000 Gläubige. Zu ihren Aufgaben gehören die Führung der Gottesdienste und Sakramente, die Pflege der kirchlichen Traditionen, Religionsunterricht und Sozialarbeit. Die persönliche Frömmigkeit wird gelebt durch Ikonenverehrung, Kerzenanzünden, Fasten, Gebete und die Bibellesung.

Noël Ruffieux, orthodoxer Laie des Patriarchats Konstantinopel, hielt sein Referat zum Thema „Die orthodoxe Kirche und der ökumenische Dialog: Die Einheit in der Kirche und die Einheit mit den anderen Kirchen“. Ruffieux ging darauf ein, dass jedes Wachstum in der Einheit in einer Kirche zur Einheit in der Kirche von Christus beiträgt. Von der Verwaltung her sind die 14 orthodoxen Kirchen, wie beispielsweise die Serbisch-Orthodoxe Kirche oder die Russisch-Orthodoxe Kirche, selbstständig und voneinander unabhängig. Was diese Kirchen aber eint, ist das Wesentliche des Glaubens wie die Anerkennung der Heiligen Schrift und die Tradition der Kirchen. Ruffieux sagte, dass er das Wort Ökumene nicht gerne verwendet, wenn es zum Beispiel als eine diplomatische Haltung verstanden wird, die ärgerliche Themen ausschliesst. Aber Ruffieux glaubt an den „interchristlichen Dialog“. Das Ziel dieses interchristlichen Dialogs sei die Wiederherstellung der Einheit im wahren Glauben und in der Liebe. Der Dialog muss aber auch von Taten des gegenseitigen Verstehens und der Liebe begleitet sein als Zeugnis gegenüber der Welt.
Ganzes Referat auf Französisch schriftlich
Ausgewählte Zitate auf Deutsch