Medaille für Schweizer Bibelforscher

16. Juni 2026

Adrian Schenker, Bibelwissenschaftler und emeritierter Professor der Universität Fribourg erhält eine Medaille für sein herausragendes Engagement für die hebräische Bibel – die Biblica Hebraica Quinta. An dieser wissenschaftlichen Ausgabe des Alten Testamentes ist auch der Präsident der Schweizerischen Bibelgesellschaft, Innocent Himbaza beteiligt, auch er Professor für Altes Testament an der Universität.

An der 45. Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft erhält der Bibelwissenschaftler Adrian Schenker die Canstein-Medaille, Stuttgart 8. Juni 2026

Dr. Christoph Rösel, Generalsekretär der DBG, stellt den Bibelwissenschaftler Prof. Adrian Schenker vor. Dieser nimmt per Videokonferenz an der Ehrung teil. Mit ihm in der Stube, vorne rechts, sein Kollege Prof. Innocent Himbaza. Bild © DBG

An der Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG) in Stuttgart hat die Deutsche Bibelgesellschaft am Montag, 8. Juni die Canstein-Medaille an Adrian Schenker verliehen, der aufgrund  seines Alters per Videokonferenz an der Zeremonie teilnahm.

Seit 1981 vergibt die DBG diese Auszeichnung an Personen vergeben, «die sich mit  besonderem ehrenamtlichen Engagement für die Bibel und die Begegnung mit der Bibel einsetzen».

Die Auszeichnung würdigt «das jahrelange aussergewöhnliche Engagement für die Biblia Hebraica: Zunächst im Hebrew Old Testament Text Project der United Bible Societies, seit 1991 als Leiter des Herausgeberkomitees der Biblia Hebraica Quinta und seit 1997 auch als Herausgeber der Biblia Hebraica Stuttgartensia.»

Dr. Christoph Rösel, Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, hob die Dauer von Schenkers Engagement für die Hebräische Bibel hervor: «35 Jahre lang hat er diese Aufgabe mit wissenschaftlicher Präzision, in grosser Treue und zugleich auch in aller Selbstverständlichkeit und Bescheidenheit ausgeführt», so Rösel. Schenker hatte im Februar dieses Jahres die Leitung des Herausgeberkreises abgegeben.

Mit Prof. Emanuel Tov äusserte sich zudem der führende Experte auf dem Gebiet der biblischen Textforschung zur Auszeichnung Schenkers: «Professor Adrian Schenker gilt in der Wissenschaft als eine herausragende Persönlichkeit», so Tov. Das liege nicht nur an seiner textkritischen und theologischen Forschung, «sondern auch an seiner führenden Rolle bei der Entstehung eines zentralen Arbeitsmittels für die Textforschung, der Biblia Hebraica Quinta (BHQ).»

In seiner Dankesrede betont Adrian Schenker, dass er bei seiner Arbeit auf dem Rücken von Generationen Bibeltextinteressierter und – forschenden steht. Er spannte den Bogen über die Forschergeneration des 20. Jahrhunderts zurück, über Martin Luther bis hin zu den Masoreten und den ersten Übersetzern der Hebräischen Bibel ins Griechische. «Wie Zwerge stehen wir heute auf den Schultern dieser Riesen», schloss Schenker in der ihm eigenen Bescheidenheit.

Für Innocent Himbaza, der das Buch Leviticus für die Biblica Hebraica Quinta (BHQ) überarbeitet und herausgegeben hat und jetzt an den Psalmen arbeitet, zeigt diese Ehrung ein Punkt, der ihm besonders am Herzen liegt: «Man sieht die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen den Bibelgesellschaften und den Universitäten». Er selbst dient der Bibel auf vielfältige Weise, sowohl als Dozent an der Universität Fribourg, wie als Forscher am Institut Barthelemy als auch als Präsident der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB).

Dank ihm ist die SB mit zwei Füssen an vorderster Front der Bibelwissenschaft beteiligt.

Die BHQ will dem ursprünglichen Bibeltext möglichst nahekommen und die Textüberlieferung der Hebräischen Bibel genau dokumentieren. Sie druckt zwar wie ihre Vorgängerinnen den überlieferten hebräischen Text des Codex Leningradensis ab. Neu ist durch ausführliche Kommentare und textkritische Anmerkungen die genauere Dokumentierung der frühen Textezeugen und der Arbeit der Masoreten.

In diesem umfangreichen Textkritischen Apparat werden Textvarianten aus den Urtexten auf Hebräisch, Griechisch und Syrisch aus unterschiedlichen Quellen, inklusive Qumran angegeben. So wird sichtbar, wie sich der hebräische Text zwischen dem dritten Jahrhundert vor Christus und dem ersten Jahrhundert nach Christus entwickelt und verändert hat. Der Text dient Bibelforschern, – übersetzerinnen, Theologinnen in Kirche und Universität als Arbeitsgrundlage.  «Wir erwarten, dass die BHQ zur Standard Ausgabe in der Bibelforschung wird und die Vorgängerin, die Biblia Hebraica Stuttgartensia, ersetzen wird», sagt, Martin Rösel, Professor für Hebräisch, Altes  Testament und  Religionsgeschichte an der Universität Rostock.

Das Projekt läuft seit 2004. Die bisher erschienenen Bücher der Biblica Hebraica Quinta (BHQ), darunter Innocent Himbazas Leviticus der BHQ ist bei der Schweizerischen Bibelgesellschaft erhältlich.

 


Die Canstein-Medaille zeichnet herausragendes Engagement für die Bibel aus

Seit ihrer Gründung im Jahr 1981 verleiht die Deutsche Bibelgesellschaft die Canstein-Medaille an Personen, die sich mit besonderem ehrenamtlichen Engagement für die Bibel und die Begegnung mit der Bibel einsetzen. Die Auszeichnung trägt den Namen des Freiherrn Carl Hildebrandt von Canstein (1667–1719), der die Verbreitung der Bibel als Lebensaufgabe betrachtete und dafür den grössten Teil seines Vermögens einsetzte. Im Jahr 1710 liess er einen Aufruf drucken mit dem Titel «Unerhörter Vorschlag, das Wort Gottes um einen geringen Preis in die Hände der Armen zu bringen, zu ihrer Erbauung». Im selben Jahr nahm das Cansteinsche Bibelhaus seine Tätigkeit auf. Dank des Einsatzes von Carl Hildebrandt von Canstein wurde die Bibel – 200 Jahre nach der Reformation – endlich für alle zugänglich. Bis zu seinem Tod im Jahr 1719 wurden rund 180’000 Bibeln gedruckt.

Die Canstein-Medaille der Deutschen Bibelgesellschaft