Am 25-26. April 2026 hat die Bibelgesellschaft der Mongolei (Mongolian Unian Bible Society; MUBS) zusammen mit der Schweizerischen Bibelgesellschaft und der Pfarrei Pélissèrie eine Bibelveranstaltung organisiert. Wie der Name schon sagt, stand die Bibel im Zentrum des Anlasses und zwar die Bibel in der Mongolei.
Vor einem Jahr wurde die Neuübersetzung des Alten Testaments der Mongolian Standardversion (MSV) veröffentlicht. Die Schweizerische Bibelgesellschaft unterstützte das Projekt in der Endphase. Aber wie entsteht eigentlich eine neue Übersetzung der Bibel? Welche Entscheidungen stehen dabei an, und vor welche Herausforderungen werden die Beteiligten gestellt?
Einblick in die Übersetzung aus dem Griechischen
Nandin-Erdene Nyamkhuu studierte Theologie in Singapur; dazu gehörten auch die biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch sowie griechische Exegese. Als sie für das Übersetzungsprojekt ausgewählt wurde, vertiefte sie ihr Griechisch Studium einige Monate lang. Sie trat als dritte Person einem Übersetzungsteam bei, das bereits begonnen hatte. Diese solide sprachliche Grundlage war entscheidend für die Arbeit am griechischen Originaltext.
Die Übersetzer arbeiteten bewusst ohne direkte Orientierung an bestehenden mongolischen Übersetzungen. Stattdessen wurde jeder Abschnitt neu vom griechischen Text aus erschlossen. Andere Übersetzungen wurden nur ergänzend konsultiert, wenn es zur Klärung einzelner Stellen notwendig war. Dieser Ansatz sollte eine möglichst grosse Nähe zum Ausgangstext gewährleisten.
Der Weg durch die Bücher des Neuen Testaments
Die Reihenfolge der Übersetzungsarbeit richtete sich nach dem Schwierigkeitsgrad der Texte:
Zunächst wurden sprachlich einfachere Bücher wie das Markusevangelium bearbeitet, während komplexere Texte wie der Römerbrief später folgten. So konnte das Team schrittweise Erfahrung im Umgang mit dem griechischen Text aufbauen.
Mut zu Veränderungen
Das Team entschied sich bewusst dafür, wichtige Begriffe frühzeitig zu überarbeiten, auch wenn dies für Leser zunächst ungewohnt sein kann.
Die Überzeugung dahinter: Es ist besser, zentrale Begriffe von Anfang an präzise zu gestalten, damit sich eine klare und konsistente Sprache langfristig etablieren kann. Dies erforderte Mut, da die mongolischen Christen sich an neue wichtige Begriffe wie z. B. «Gnade» gewöhnen müssen.
Zusammenarbeit im Team
Die Übersetzung war kein individueller Prozess, sondern ein gemeinsames Projekt:
Fragen und Unsicherheiten wurden regelmässig im Team diskutiert und bei Bedarf auch mit externen Fachleuten besprochen.
Die Arbeit erfolgte in mehreren Schritten:
- Einzelübersetzung durch einen Übersetzer
- Überprüfung durch einen Kollegen
- Gemeinsame Diskussion im Team
- Endredaktion durch die Projektleitung
Diese Struktur stellte sicher, dass jede Entscheidung sorgfältig geprüft wurde.
Besuch der MUBS in Biel
Im April besuchte uns das Team der MBG in Biel, nachdem wir sie zuvor in Genf getroffen hatten. Im Elfenaupark in Biel, begleitet vom Gesang der Frösche, berichtete Ariunaa Amardalai, die seit 18 Jahren für die MBS tätig ist und von Anfang an am Übersetzungsprojekt beteiligt ist, von der Übersetzungsarbeit. Ariunaa Amardalai stammt aus einer nicht-christlichen Familie und wurde 1997 Christin. Sie studierte mongolische Literatur in Südkorea und war Generalsekretärin der MUBS.
Sie freut sich als das Alte Testament vor einem Jahr gedruckt wurde.
Präzision und Bedeutung: Der Name Gottes
Ein weiteres zentrales Thema ist der Umgang mit dem Gottesnamen in der Bibel. Frühere Übersetzungen verwendeten allgemeine Begriffe wie «YHWH» / «HERR», wodurch wichtige Unterschiede verloren gingen.
In der neuen Übersetzung wird erstmals der Name YHWH direkt verwendet. Dadurch wird klarer zwischen verschiedenen hebräischen Begriffen unterschieden, die zuvor alle gleich übersetzt wurden.
Dieser Moment markiert einen wichtigen Schritt:
mehr sprachliche Genauigkeit und gleichzeitig eine tiefere Annäherung an den ursprünglichen Text.
Eine Bibel, die auch die Diasporagemeinden zusammenbringen soll
Die Organisation des Bibelanlsses begann bereits ein Jahr im Voraus und erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der mongolischen Gemeinschaft vor Ort.
Vor der Veranstaltung waren die mongolischen Christen in Genf kaum miteinander vernetzt. Erst durch die gemeinsame Vorbereitung entstand ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl.
Mehrere Gruppen arbeiteten zusammen, organisierten das Programm und erlebten das Treffen als verbindendes Ereignis. Bayarmagnai Bayardalai, Geschäftsführer der MUBS freut sich über den gelungenen Anlass:
Die neue mongolische Bibelübersetzung ist bereits weit verbreitet – sowohl digital als auch im Gemeindekontext.
Viele Nutzer greifen aktiv darauf zu, und auch Pastoren verwenden die neue Übersetzung für Predigten und Veranstaltungen.
Dies zeigt, dass die Arbeit der Übersetzer unmittelbar im Alltag der Gemeinden angekommen ist.
Herausforderungen in einem weiten Land
Die Mongolei ist flächenmässig sehr gross und dünn besiedelt. Diese geografischen Gegebenheiten stellen die Bibelgesellschaft vor besondere Herausforderungen.
Um Menschen im ganzen Land zu erreichen, sind Reisen und enge Kooperationen mit lokalen Gemeinden notwendig.
Die Arbeit umfasst nicht nur die Verbreitung von Bibeln, sondern auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kirchen und Konfessionen.
Wachstum des Christentums
Seit den frühen 1990er Jahren hat sich das Christentum in der Mongolei stark entwickelt.
Während es Anfang der 1990er Jahre nur 4 Christen gab, ist die Zahl inzwischen auf rund 100’000 gestiegen – etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung.
Diese Entwicklung zeigt, wie dynamisch sich die religiöse Landschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
Freiheit und Grenzen
Trotz demokratischer Strukturen gibt es auch Einschränkungen:
Evangelisation ist in bestimmten öffentlichen Bereichen wie Schulen eingeschränkt, und die Registrierung neuer Gemeinden kann schwierig sein.
Diese Rahmenbedingungen prägen die praktische Arbeit der Gemeinden und der Bibelgesellschaft.
Blick in die Zukunft
Nach Abschluss der aktuellen Bibelübersetzung steht bereits das nächste Projekt an.
Geplant ist eine Studienbibel auf Grundlage der neuen Übersetzung, die den Zugang zu Hintergrundinformationen und Erklärungen erleichtern soll. Dieses Projekt soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
