Die Bibel in 692 Sprachen

Die vollständige Bibel kann jetzt in 692 Sprachen gelesen werden. Dies teilt der Weltbund der Bibelgesellschaften (United Bible Societies; UBS) im “Global Scripture Access Report” mit. Das sind 18 Sprachen mehr als im Vorjahr. Etwa 5,6 Milliarden Menschen haben damit laut UBS Zugang zu allen Texten des Alten und Neuen Testaments in ihrer Muttersprache.

Das Neue Testament ist jetzt in weitere 1547 Sprachen übersetzt, zumindest einzelne biblische Schriften in 1123 Sprachen. Damit gibt es in 3362 Sprachen (plus 38/Vorjahr) mindestens ein Buch der Bibel. Die Bibelgesellschaften gehen von weltweit rund 7350 Sprachen aus, zu denen auch 245 Zeichensprachen für Gehörlose gezählt werden. Damit gibt es rund 4000 Sprachen, in denen kein Buch der Bibel übersetzt ist.

“Wir leben in einer Zeit, in der die Botschaft der Bibel von Barmherzigkeit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden und Liebe dringend gebraucht wird”, betont Alexander M. Schweitzer, Leiter der UBS-Übersetzungsabteilung. „Deshalb ist es wichtig sicherzustellen, dass alle unabhängig von der Sprache selbst auf die Schrift zugreifen können.“ Bibelgesellschaften, Bibelwerke und Spender arbeiteten effektiver zusammen als je zuvor, und technologische Entwicklungen eröffneten ungeahnte Möglich-keiten.

Im Jahr 2018 hat der Weltbund der Bibelgesellschaften in 66 Übersetzungsprojekten neue Ausgaben der Bibel, des Neuen Testaments oder einzelner Schriften veröffentlicht. In 44 davon wurden Erstübersetzungen in einer neuen Sprache erstellt. Diese Erstübersetzungen können bis zu 77 Millionen Menschen verstehen. Zu den neuen Bibelsprachen gehören zum Beispiel Blin und Gondi. Blin ist eine kuschitische Sprache, die in Eritrea rund 112 000 Bürgerinnen und Bürger nutzen. Gondi wird in Mittelindien von rund 300 000 Menschen gesprochen und gehört zur dravidischen Sprachfamilie. Für beide Sprachen liegt jetzt ein Neues Testament vor.

Da sich die Sprachen und die Bibelwissenschaft weiterentwickeln, bleiben für die Bibelgesellschaften auch Neuübersetzungen und Revisionen für klassische Bibelsprachen wichtig. Bei 22 solcher Projekte erschienen 2018 neue Ausgaben in Sprachen, die rund 363 Millionen Menschen nutzen. Dazu gehören Bibeln auf Japanisch und Polnisch sowie Neue Testamente auf Georgisch und Tagalog, der am weitesten verbreiteten Sprache auf den Philippinen.

Für gehörlose Menschen wurden 2018 biblische Schriften in Zeichensprache in Ungarn, Litauen, Japan, Thailand und Guatemala publiziert. Die Bibelgesellschaften setzen laut Sprachen-Report einen verstärkten Fokus auf Zeichensprachen, um den 70 Millionen Gehörlosen weltweit einen Zugang zur biblischen Botschaft zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Arbeit für blinde und sehbehinderte Menschen. Im Jahr 2018 erschien die 45. komplette Bibel in der Punktschrift Braille. Es handelt sich um die Sprache Luganda, die im ostafrikanischen Uganda gesprochen wird.

Um weitere Projekte erfolgreich abschliessen zu können, ist ein starkes Engagement von Spenderinnen und Spendern sowie Kirchen erforderlich: Zu den Projekten der Schweizerischen Bibelgesellschaft

Die Schweizerische Bibelgesellschaft ist Mitglied des Weltbundes der Bibelgesellschaften (United Bible Societies; UBS), der grössten Übersetzungsagentur der Welt. Der Weltbund zählt 148 Bibelgesellschaften und ist in mehr als 200 Ländern aktiv. Aufgaben sind die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Bibel. Die UBS haben in ihrer über 200-jährigen Geschichte über 340 vollständig übersetzte Bibeln (Altes und Neues Testament) herausgebracht. Dabei gelten folgende Regeln: Es wird immer aus dem Urtext übersetzt. Ausgebildete Muttersprachler sorgen für die bestmögliche Übersetzung. Und es wird immer nur auf Wunsch und Initiative der Empfänger übersetzt. Um ein Buch der Bibel zu übersetzen, braucht es ein paar Monate; für die ganze Bibel braucht eine Übersetzergruppe rund zwölf Jahre.

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Quelle: «Global Scripture Access Report 2018» (in Englisch)
Übersetzung: Deutsche Bibelgesellschaft

Beitrag Radio Zürisee: Bibelübersetzung