Gebete aus der Broschüre „on the road …“

Das Büchlein On the road … bietet eine Reise durch die Bibel für Migrantinnen und Migranten. Darin erzählen diese unter anderem von ihren Erfahrungen beim Verlassen ihrer Heimat und Ankommen an einem fremden Ort.

Das Büchlein eignet sich sowohl für Einzelpersonen als auch für kirchliche Grupen, die sich dem Thema Migration aus biblischer Sicht annähern möchten.

Die folgenden Gebete sind aus dem Büchlein On the road …

Auf dem Weg…

Aus diesem fremden Land rufe ich zu Dir, Herr. Du bist der, der mich aus meinem Land herausgeführt hat. Du hast mich zu fremden Menschen geführt, Du hast jeden meiner Schritte begleitet. Du hast mich weit weg geführt vom Lärm des Krieges und hast mich in Sicherheit gebracht. Du hast meine Tränen getrocknet und mich zur Ruhe kommen lassen. Weit weg von meiner Familie und meiner Heimat dachte ich, ich werde nie mehr Frieden finden.
Aber Du bist gekommen, Du hast mich getröstet und meine Angst von mir genommen.
Du bist derselbe Gott in jedem Land, Du bist ein treuer Freund der Vertriebenen und derer, die leiden. Du hast mir deine Liebe gezeigt durch Menschen, die freundlich zu mir waren. Auch wenn ich weit weg von zuhause bin, habe ich eine neue Familie und ein neues Leben gefunden.
Du nimmst mich wahr und zeigst mir Deine Liebe und Fürsorge. Deshalb rufe ich zu Dir aus diesem fremden Land, das mein Land geworden ist. Ich rufe zu Dir, mein Gott, um Dir zu danken.
Ruth, Kongo

Lass mich dein Bruder, deine Schwester sein

Hier bin ich, an deiner Türe, mein Bruder und meine Schwester,
Freund aller Menschen aus allen Völkern und Sprachen.
Du, der du vertraut bist mit Timur, Kofi und Nguyen,
der du Fanta und die Musik und die Gerüche seines Landes kennst,
du, mein Bruder,
der du vielleicht die Freuden und Sorgen des Exils kennst,
hier bin ich, an deiner Türe.
Wie Maria, Josef und Jesus vor dem mörderischen Herodes geflohen sind,
so bin ich hierher gekommen,
um mein Leben hier in den friedlichen Städten deines Landes zu bergen.
Dort, wo ich herkomme, sind alle Türen verschlossen.
Ich bin zu einer Fremden geworden in dem Land, in dem ich geboren wurde.
Ich habe Zuflucht gesucht in dem Land, in dem du aufgewachsen bist.
Ich möchte ein neues Leben beginnen, mit meiner Familie.
Dort, im Land meiner Vorfahren, war meine einzige Perspektive das Elend.
Jetzt bin ich hier, an deiner Türe.
Wie Ruth, die ihr Land verlassen hat, um woanders neu anzufangen,
lass mich ein paar Ähren auflesen,
gerade genug, dass meine Familie satt wird.
Hier bin ich an deiner Türe, meine Schwester, mein Bruder.
Weder du noch ich haben es uns so vorgestellt,
aber jetzt ist es so: wir sind zusammengebracht worden.
So wie Josef, der als Sklave nach Ägypten kam,
der seine Weisheit eingesetzt hat um jenem Land zu dienen,
so möchte auch ich alle meine Gaben einsetzen,
um hier, in dem Land, in dem ich jetzt bin, nützlich zu sein.
Lass mich dir alles geben, was ich bin.
Lass mich deine Schwester, dein Bruder sein.
Ruth, Kongo

Herr, ich danke dir

Herr, Du weißt um alles, was geschieht,
Du herrscht über deine ganze Schöpfung.
Ich bete Dich an, mein Gott und mein Retter.
Ich lobe und preise Dich, weil Du einen wundervollen Plan für mein Leben hast.
Ich danke Dir dafür, dass Du meine Familie wieder zusammengeführt hast.
Ich danke Dir dafür, dass Du uns mit allem versorgt hast,
was wir im fremden Land gebraucht haben.
Ich danke Dir dafür, dass Du es gefügt hast,
dass ich Dich eines Abends persönlich kennengelernt habe,
als ich gerade einmal zwölf Jahre alt war.
Von China über Italien bis nach Frankreich hast Du mich gerufen,
Du hast mein Leben durch Jesus Christus erneuert
und hast mich berufen, die frohe Botschaft seiner Liebe weiterzutragen.
Dein ist die Herrlichkeit!
P. Mookan, Sri Lanka

Jetzt!

All unsre Hoffnung hat sich zerschlagen.
Wir haben unser Erspartes verloren.
Ein Menschenleben ist nichts mehr wert.
Was kannst Du uns antworten, Gott?
JETZT!
Sage uns, Gott, wohin das alles führen soll!
P. Mookan, Sri Lanka

Demütig will ich werden

Gott, mein Vater, ich komme zu Dir.
Durch deinen Sohn Jesus Christus,
der wie ich ein Fremder war,
der wie ich in Versuchung geführt wurde,
aber alles Böse überwunden hat.
Ich bitte Dich um Dein Erbarmen und um Deine Vergebung.
All die Jahre hindurch habe ich Erfolg gesucht mit allen erdenklichen Mitteln, um meinen eigenen Stolz und meine Gier zu befriedigen
und mir einen Namen zu machen.
Berühre mich heute mit Deiner Gnade
und mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens.
Wo immer ich Dornen der Bosheit und Hoffnungslosigkeit gepflanzt habe,
gib mir jetzt die Kraft, Blumen der Güte und Hoffnung zu säen.
Wo sich Eigennutz eingewurzelt hat,
möchte ich jetzt Freundlichkeit und Toleranz pflanzen.
Nimm meine Heuchelei und meine Lüge von mir!
Mache mich demütig und schütze mich!
Xavier, Madagaskar

Hilf mir!

Guter Gott, jeden Morgen lege ich den Tag in Deine Hände.
Ich bitte Dich, mir jemanden zu zeigen, dem ich Deine Liebe mitteilen kann.
Ich bete für meine Familie und für meine Nachbarn,
für das Land, in dem ich jetzt lebe.
Ich bete für die jungen Menschen hier.

Ich bete für mein eigenes Land und für die, die noch dort sind:
Meinen Bruder und meine Schwester und meinen Vater.
Ich weiß, dass Du sie beschützt, so wie Du mich hier beschützt.
Vor sechs Jahren haben wir unser Land verlassen.
Einst hast Du Josua verheißen:
„Ich werde dir jedes Stück Land, über das du gehst, schenken“ (Jos 1,3).
Herr, Du weißt, warum ich hier bin
und Du sorgst für mich.
Du hast mich mit zwei wunderbaren Kindern gesegnet.
Wir haben ein Dach über dem Kopf und können uns mit Menschen treffen
und ihnen von Deiner Liebe erzählen.
Aber noch immer gibt es so viele Probleme in meinem Leben
und im Leben aller um mich herum.
Hilf mir, Herr, dass die Probleme mich nicht überwältigen.
Hilf mir, meine Augen auf Dich zu richten und dir ganz und gar zu vertrauen.
Herr, Gott, ich danke Dir für alles.
Du bist gut und Du nimmst jeden auf, der zu Dir kommt.
Nasit, Elfenbeinküste

Vertrauen

Mein Gott, ich denke an die,
die ich in einem unruhigen Land zurückgelassen habe.
Noch ist es für mich zu gefährlich, zurückzukehren.
Wenn ich im Fernsehen die Nachrichten sehe,
bete ich für mein Land und für meinen ganzen Kontinent,
dass die Menschen dort endlich in Frieden leben können
Ich habe kein Heimweh.
Ich weiß, dass, wohin auch immer Du mich führen wirst,
Du mir dieses Land zur Heimat werden lässt.
Ich denke an den Propheten Jeremia,
der die Deportierten ermutigt hat, sich niederzulassen
und für das Land zu beten, in dem sie selbst Fremde waren.
Mein Gott, ich weiß, Du bereitest meine Zukunft vor –
so wie Du Josef während seiner Zeit in Ägypten eine Zukunft geschenkt hast.
Ich habe keine Angst in mein Heimatland zurückzukehren.
Ich habe schon so viele Schwierigkeiten erlebt, hier in diesem fremden Land, dessen Sprache ich nicht richtig verstehe.
Herr, ich bin bereit, dorthin zu gehen,
wohin Du mich und meine Familie sendest.
Du weißt am besten, was gut ist für mich.
Nanacee, Elfenbeinküste

Frieden

Hier bin ich, an deiner Türe, mein Bruder und meine Schwester,
Freund aller Menschen aus allen Völkern und Sprachen.
Du, der du vertraut bist mit Timur, Kofi und Nguyen,
der du Fanta und die Musik und die Gerüche seines Landes kennst,
du, mein Bruder,
der du vielleicht die Freuden und Sorgen des Exils kennst,
hier bin ich, an deiner Türe.
Wie Maria, Josef und Jesus vor dem mörderischen Herodes geflohen sind,
so bin ich hier her gekommen,
um mein Leben hier in den friedlichen Städten deines Landes zu bergen.
Dort, wo ich herkomme, sind alle Türen verschlossen.
Ich bin zu einer Fremden geworden in dem Land, in dem ich geboren wurde.
Ich habe Zuflucht gesucht in dem Land, in dem du aufgewachsen bist.
Ich möchte ein neues Leben beginnen, mit meiner Familie.
Dort, im Land meiner Vorfahren, war meine einzige Perspektive das Elend.
Jetzt bin ich hier, an deiner Türe.
Wie Ruth, die ihr Land verlassen hat, um woanders neu anzufangen,
lass mich ein paar Ähren auflesen,
gerade genug, dass meine Familie satt wird.
Hier bin ich an deiner Türe, meine Schwester, mein Bruder.
Weder du noch ich haben es uns so vorgestellt,
aber jetzt ist es so: wir sind zusammengebracht worden.
So wie Josef, der als Sklave nach Ägypten kam,
der seine Weisheit eingesetzt hat um jenem Land zu dienen,
so möchte auch ich alle meine Gaben einsetzen,
um hier, in dem Land, in dem ich jetzt bin, nützlich zu sein.
Lass mich dir alles geben, was ich bin.
Lass mich deine Schwester, dein Bruder sein.
Ruth, Kongo